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Roulette Navigation

 

 

 

 

Quarks & Co | Archiv |

 

 

Einen Roulettetisch mit den Taschen voller Geld zu verlassen, davon haben schon viele geträumt. Einige haben es mit Magneten unter dem Tisch versucht, andere schwören auf das Glück, das sie in Begleitung einer schönen Frau haben. Das System des Roulettes wirklich zu knacken, haben nur wenige geschafft: Eine Gruppe von jungen Physikern und Computer-Freaks plünderten in den 70er Jahren etliche Casinos - und das mit Hilfe einer neuen wissenschaftlichen Theorie: der Chaostheorie.

 

 

 

Das Prinzip des Spiels

Foto Springende Roulettekugel; Rechte: WDR

In welchem Sektor des Zahlenkranzes bleibt die Kugel liegen?

 

 

Das Roulette ist ein einfacher Zufallsgenerator, wie ein Würfel oder die Lottomaschine. 37 Felder gibt es beim Roulette, die alle gleich wahrscheinlich sind. Der Spieler hat also die Wahrscheinlichkeit 1/37, dass seine Zahl fällt – dann bekäme er allerdings nur das 36   fache seines Einsatzes ausgezahlt. Insgesamt ergibt sich so ein mittlerer Verlust von 1/37 oder ungefähr 2,7 Prozent. (In der Regel muss der Spieler bei einem Gewinn auch noch ein Trinkgeld in Höhe des einfachen Einsatzes für das Personal gebe. Die Verlustwahrscheinlichkeit liegt deshalb bei 5,4 Prozent. Langfristig muss der Spieler also - wie bei allen Glückspielen - verlieren, egal welche Einsatzstrategie er verfolgt. Es gibt aber dennoch eine Chance das Roulette zu bezwingen, denn es ist ein realer und kein idealer Zufallsgenerator.

 

 

 

Chaos im Kessel

Foto Die Kugel kollidiert mit der Raute; Rechte: WDR

Bei der Kollision mit einer Raute beginnt das chaotische Verhalten

 

 

Ein Roulettewurf läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Als erstes setzt der Croupier das Rad mit einer Hand in Bewegung. Mit der anderen Hand wirft er die Kugel gegen die Drehrichtung des Kessels. Für 10 bis 15 Sekunden kreist sie am Rand entlang. Bis jetzt ist alles streng berechenbar. Wenn die Kugel langsamer wird, bewegt sie sich Richtung Kesselmitte. Dann kollidiert sie mit einer der Metallrauten, die auf dem Rand angebracht sind. Hier beginnt das eigentlich zufällige Verhalten des Roulettes: Die Kugel springt, stößt gegen den Rand einiger Fächer und bleibt schließlich im Fach einer Zahl liegen.

Bei jeder dieser Kollisionen gelten die Gesetze der Physik. Die Bewegung ist also theoretisch "vorher-
bestimmt". Allerdings ist es praktisch unmöglich, den Lauf der Kugel zu berechnen. Das Roulette ist nämlich ein chaotisches System: Jede kleine Abweichung im Lauf der Kugel führt zu einer leicht anders gearteten Kollision. Mit jedem Hüpfer setzt sich dieser Fehler fort. Irgend-
wann ist jede Berechnung genauso unzuverlässig wie der reine Zufall. Das gilt allerdings nur unter idealen Bedingungen.

 

 

 

Schwachstelle Croupier

Foto Der Croupier wirft die Kugel; Rechte: WDR

Der Croupiers wirft die Kugel gegen die Drehrichtung des Kessels.

 

 

Eine Schwachstelle im System ist der Croupier. Er steht pro Schicht mehrere Stunden am Roulettekessel und wiederholt immer den gleichen Bewegungsablauf. Bei vielen Croupiers führt das dazu, dass sich die einzelnen Würfe sehr ähneln: Er dreht das Rouletterad mit der gleichen Geschwindigkeit, wirft die Kugel mit dem gleichen Schwung. Deshalb ist der Bereich, wo die Kugel den Rand verlässt, dann auch nicht mehr zufällig. Ein erfahrener Spieler kann bei einem Croupier, der sehr regelmäßig wirft, aus der Position der Roulettescheibe beim Abwurf, den Auftreffpunkt grob abschätzen. Diese vage Methode kann ausreichen, den knappen Nachteil von 5,7 Prozent in einen knappen Vorteil zu verwandeln und langfristig zu gewinnen!

 

 

 

Angriff mit Stoppuhr und Computer

 

Die zweite Methode ist aufwendiger, beruht aber auf dem gleichen Prinzip. Gelingt es einem Spieler, die exakte Geschwindigkeit der Roulettekugel zu messen, so kann er die Raute, mit der die Kugel kollidiert, mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Zusätzlich muss er die Drehgeschwindigkeit der Scheibe ermitteln. Mit diesen Daten und einem geeigneten Computerprogramm kann der Spieler dann den Zielbereich der Kugel auf dem Zahlenkranz stark eingrenzen. Die Gewinnchancen steigen auf diese Art uns Weise auf über 30 Prozent – möglicherweise sogar noch viel höher.

Die Casinos sehen solche Methoden natürlich nicht gern. In den USA ist der Einsatz von technischen Hilfsmitteln - und dazu zählen im strengsten Fall auch Uhren - sogar strafbar. In Deutschland riskiert man ein mehrjähriges Hausverbot in allen Casinos. Die Tradition der Rechner-
attacken auf das Roulette ist alt. Schon in den späten siebziger Jahren experimentierte eine Gruppe von Physik-Studenten, Computer-Freaks und Bastlern mit versteckten Rechnern. Ihnen gelang das Kunststück und sie plünderten etliche Casinos. Einige von ihnen wurden später als Wissenschaftler erfolgreich: Sie gehören zu den Pionieren eines neuen Forschungszweiges: der Chaostheorie.


Daniel Münter